Von Manfred Durzak (Uni, Paderborn): Die deutsche Kurzgeschichte der Gegenwart, Autorenportraits, Interpretationen (Würzburg 2002) S. 486-487
„Um eine andere Form der Wirklichkeitsverrückung geht es in dem Erzähltext von Horst Oberbeil ‚Ein
Triangelspieler probt den Aufstand‘… Ein Zweikampf zwischen Triangel und Taktstock… Die Geschichte
ist eine witzige Parabel über künstlerisches Spezialistentums, das die perfekte Unterordnung und
Pflichterfüllung voraussetzt und den Beifall doch nur jenem zuerkennt, der an der Spitze der Hierarchie
die Königsrolle einnimmt. Die solidarisch erbrachte Leistung wird nicht anerkannt, sondern einfach
vorausgesetzt und entsprechend gering bewertet. Ein soziales Verhaltensmuster, das auf vielen Ebenen der
Tätigkeit in einer extrem arbeitsteiligen Gesellschaft gilt. Die Geschichte erschließt einen neuen Zugang
zu Teilbereichen der Realität und ist erzählerisch so konnotiert, dass sie über den erzählten Handlungskern
deutlich hinausweist.“
Von Prof. Dr. phil. Mario Andreotti am 16.Oktober 2025
Lieber Horst,
Heute komme ich dazu, Dir für Dein Gedicht «Friedliche Stille», das sich an Brinkmanns Gedicht «Oh,
friedlicher Mittag anlehnt», vielmals zu danken. Ich habe Dein Gedicht ausgedruckt.
Während Rolf Dieter Brinkmann in seinem Gedicht «Oh, friedlicher Mittag» zeigt, dass dem
augenblicklichen Zustand nicht zu trauen ist, weil sich unter der Oberfläche bereits etwas
Bedrohliches anbahnt, verwandelst Du sein Gedicht in eine Idylle. Dein Gedicht spielt denn auch nicht
an einem gewöhnlichen Mittwoch wie das Gedicht von Brinkmann, sondern bezeichnenderweise an
einem Sonntagmorgen. Gleichwohl empfinde ich Dein Gedicht mit dem kunstvollen Wechsel von
Zeilenstil und Zeilensprung als sehr schön, stellt es ein wunderbares Beispiel für die Alltagslyrik der
«Neuen Subjektivität» dar, auch wenn es erst vor kurzem entstanden ist. Mein aufrichtiges
Kompliment!
Bei dieser Gelegenheit möchte ich Dir, lieber Horst, für Deine Teilnahme an meinem Seminar «Die
Dichtung unserer Epoche» und für Deine äusserst engagierte Mitarbeit innigst danken. Ich freue mich,
wenn Du im nächsten Herbst (im Seminar «Grenzbereiche der deutschen Literatur») wieder dabei bist.
Sei auch Du ganz herzlich gegrüsst
Mario
Von Horst Oberbeil Friedliche Stille
Die Briefkästen sind geleert
Prospekte entsorgt
Kinderwagen stehen im Hausflur
Durch die Wohnungstür des Nachbarn
klingt leise eine Bachkantate
Es ist Sonntag Morgen
Hinter meiner Schlafzimmerwand
hör ich die Klospülung rauschen
und das Röcheln der Kaffeemaschine
Gegen Mittag vermischt sich der Braten
Geruch mit dem Duft eines gebackenen Kuchens
und dem Klappern des Küchengeschirrs
Am Abend schweigen die Stimmen
Bilder wechseln
im flimmernden Schein.
Vom Amazon Kunde M. Michel am 14. Dezember 2022 Gegenwartslyrik
Wieder hat Horst Oberbeil einen neuen Lyrikband vorgelegt. Trotz seines fortgeschrittenen Alters interessieren ihn noch immer die großen Themen dieser Welt, Natur, Liebe, Vergänglichkeit, Gesellschaft. Die Gedichte sind klassisch und zugleich modern. Das ist kein Widerspruch. Horst Oberbeil beherrscht die Musik der Sprache, die gerade in der Lyrik wichtig ist. Natürlich schimmern ab und zu literarische Vorbilder durch, doch das ist keineswegs zum Schaden. Der Autor spielt teilweise humorvoll mit Vorlagen und prägt seine Gedichte mit einer klaren Handschrift ohne Pathos. Seine Lyrik ist verständlich, dennoch fehlt ihr nicht der „zweite Boden“. Er erklärt dem Leser nicht alles, der kann sich seine eigenen Bilder schaffen und dennoch denken: „ Ja, das stimmt, ich hätte es nicht anders ausdrücken können.“ Der Band ist von der Gestaltung auch ein ideales Geschenk. Fünf Sterne. Absolut lesenswert.
Vom Amazon Kunde am 14. April 2019 Interessant und facettenreich
Horst Oberbeil erzählt in diesem Roman in Episoden (also nicht chronologisch) aus der Ich-Perspektive Höhen und Tiefen von Harald, der eigentlich Musiker werden wollte und im Fleischgroßhandel landete, dennoch den Weg in die Literatur fand. Wir erhalten Einblicke in die Arbeitswelt, die wir noch nicht so oft gelesen haben. Mobbing und Familienzwiste, Frauengeschichten und Pleiten, das alles in einer klaren, schnörkellosen Sprache, nicht ausufernd. Der Autor beherrscht die Kunst, auf das Wesentliche zu kommen und einem nicht zu langweilen. Alle Episoden greifen ein besonderes Erlebnis heraus, das macht die Lektüre so spannend. Und immer wieder schimmert die Hoffnung durch, auch wenn der Titel mit dem Abschied ein wenig ernst klingt. Ich wünsche diesem Buch eine große Anzahl an Lesern. Erschienen im Salon Literatur-Verlag, einem guten Münchner Verlag mit ausgewählten Autoren und Autorinnen.
Vom Amazon Kunde am 04. Juli 2018 nbsp; Ohne Pathos – ein Getriebener seiner Sprache
Schon im Titel kündigt sich die von Melancholie durchzogenen Ironie in Horst Oberbeils Gedichten an. In ihr lässt sich erahnen: Wer nach Großem greift, muss mit dem Scheitern vertraut sein – nur so kann er die Höhen und Tiefen des Lebens erfassen. Selten feinsinnig und dabei leicht und selbstverständlich nähern sich die Gedichte so ernsten Themen wie dem existentiellen Verlust an Bedeutung angesichts des obszönen Reichtums auf der anderen Seite der Gesellschaft (In der Residenz des Sonnenkönigs) oder dem Tod eines geliebten Partners (Der Tod meines Mannes). Ganz wunderbar, wenn der Autor etwas von sich selbst zeigt, unprätentiös, klar, ohne jegliches Pathos: „Ich bin ein Getriebener meiner Sprache / … / wortloses Versprechen / Ein gebrochenes Wort meiner Sprache“. Gerade diese Schnörkellosigkeit macht den „Griff nach den Sternen“ so besonders. Mit den Illustrationen gewinnen die Gedichte eine zusätzliche Interpretation und der Band eignet sich zudem als Geschenkband. Ich halte ihn ideal für Lyrikleser mit Anspruch und augenzwinkerndem Kunstsinn.
Von Amazon Kunde Thomas Bleicher aus Mainz am 17. Juni 2018 Der Griff nach den Sternen
Es ist nicht der erste Griff nach den Sternen, und es wird auch nicht der letzte sein. Denn die immer wiederkehrende Sehnsucht des Menschen, sich in Augenblicke der Freude oder der Trauer von der Erdenschwere zu befreien – ein sinnloser Versuch, was schon Sisxphos wusste und dennoch als ein sinngebendes Schicksal begriff. Aber gibt dieser Versuch heute noch Sinn? Wenn der Mensch immer mehr das Menschliche verlernt, wenn ich verlerne, den „Himmel zu sehen“, wenn ich nicht mehr „den Klang deiner Stimme“ höre, „seit ich mein Smartphone liebe“(13)?
Keine Ratschläge mehr, keine Gedichte, keine Briefe: „Wir kommen uns schnell nah / Ein Klick, eine Date im Internet / ein Spurt im PKW // Und ich steh dir gegenüber / hilflos ohne Worte“ (23).
Wenn die Maschinen immer menschlicher werden, werden die Menschen immer mehr zu Maschinen, was schon La Mettrie verkündete („L`Homme Machine“): Man erahnt es , erkennt es vielleicht sogar, unternimmt aber nichts dagegen. Die Abkehr von dem, was einmal war als „Das Wesentliche“ beim Fühlen , Denken, Handeln begriffen hatte, der Verdruss, der Hass, der zum Selbsthass wird :“ Ich hasse mein Cafe.(…) Ich hasse meine Kaffeehausaufsuchkrankheit / die mich täglich / an den Ort des Grauens führt./ Herr Ober, bittschön noch an Braunen“ (21).
Selbstverständlich fehlen auch nicht die – typisch für Oberbeil – bekannten Themen wie politische Willkür, Folter, Migration sowie persönliche Betroffenheiten wie Unfall und Demenz, lakonische Abschiedsbriefe, aber auch erträumte Liebe, die zu einem alt-neuen Liebesgedicht wird: „Du bist die Frau / von der ich träume / Ich spül dir / eine Flaschenpost an Land// Wenn du sie öffnest / bin ich blind und / meine Hände zittern“ (49).
So bietet das Buch eine (auch sehr schön bebilderte) Reise in unterschiedliche Welten zu den Sternen am Nachthimmel, an dem der Mond „von Schwärmern ersehnt / verkümmert im Smog“ (35), und zum Meer, auf dem „du mir nicht versprechen kannst / niemals Schiffbruch zu erleiden“ (51), zu Vergangenheit und Gegenwart mit griechischen und römischen Impressionen, an viele Orte, wo „Kein Ort für Touristen“ ist (53). Und so landet der Tourist doch auch einmal in einem Hotel, das ihn zur selbstironischen Flucht in die heimatliche Vergangenheit verführt: „Im hoteleigenen Wald ohne Bäume/ zwitschern die Rotkehlchen Play back.(…) Da geh ich lieber in den deutschen Wald / wo Hexen und Zwerge sich tummeln und / Menschen statt Pilze zu sammeln / Bäume umarmen“ (25).
Von Amazon Kunde am 25.März 2018 Lyrik von Horst Oberbeil
In einer bibliophilen Ausgabe des Salon Literatur Verlages München legt Horst Oberbeil eine Sammlung von Gedichten mit dem anspruchsvollen Titel „Der Griff nach den Sternen“ vor (illustriert von Ingrid Oberbeil). Man muss sich behutsam hineinfinden in diese Gedichte, die in ihrer ruhigen Sensibilität aus dem Lärm der Zeit fallen. Sie legen Zeugnis ab von einem offenen, aufmerksamen Leben voller Empathie für alles Unterdrückte, Benachteiligte und Schwache. Sie belegen die genaue Beobachtungsgabe des Verfassers („Du trägst dein Ich wie einen Orden vor dir her…“) und enthalten eine Weisheit, die in eine Melancholie ohne Bitterkeit mündet. Im Rhythmus seiner Gedichte ahnt man die Zusammenhänge von Sprache und Musik. Das Gedicht „Eines langen Tages Reise in die Nacht“ handelt vom Verlust des Gedächtnisses und dem Zerfall des Denkens. Horst Oberbeil, beendet es mit den Zeilen „Was bleibt ist Musik/ und deine Hand die sich in meine legt“.
Von Amazon Kunde Anna am 6.März 2018 Lyrik erdverbunden
„Der Griff nach den Sternen“ besticht durch Gedichte, die weder verschwurbelt noch unverständlich daherkommen, sondern es sind Augenblicksmomente, philosophische Gedankenspiele, die von unserer Welt handeln und natürlich von zerborstenen Träumen- immer wieder auch mit Ironie gewürzt, fernab von Kitsch und Mondenschein. Das Buch ist mit den Illustrationen noch dazu bestens als Geschenk geeignet, auch für Leser und Leserinnen, die sich sonst nicht an Lyrik wagen.
Von Amazon Kunde Conrad Cortin am 08. Mai 2008 Lyrik, die mehr als das Nachdenken in Gang setzt
Horst Oberbeil kommt seinem eigenen Ich nie zu nahe, aber er verliert es auch nicht aus den Augen. Er wirft nicht mit lyrischen Nebelkerzen, zieht das helle Licht des Verstandes vor. Sentimentale Gefühlspoesie ist ihm ebenso fremd wie protokollierende Lyrik. Sein Blickfeld ist offen, er liebt die Vielfalt.
Er schließt die Augen nicht vor Gewalt und Verbrechen, ob in Siegburg oder anderswo. Und er steigt hinab in Geschichte, zu den Hühnengräbern, sie „lebt in ihm“, wird ihm Gegenwart. Lyrische Verschleierungen entsprechen nicht seinem Stil. Deshalb erscheint es zuerst, als läsen sich seine Gedichte leicht, aber sie erschließen sich nicht leicht,
sie erfordern Hinhorchen auf Anspielungen, auf Nebenbedeutungen, auf Zwischentöne, auf überraschende Wendungen.
Unvermutet findet er eine Lösung, wo es Probleme gab,
oder ein Problem, wo es keines zu geben schien.
