Gutachten vom Lorbeer Literaturverlag       Bielefeld, den 21.10.2017
 
Sehr geehrter Herr Oberbeil,
 
Sie haben ein literaturwissenschaftliches Gutachten zu Ihrem dreistrophigen Gedicht mit dem Titel ,,Sterbender Sommer“ in Auftrag gegeben. Formal haben Sie sich für ein
Terzett und zwei Quartette in freien Rhythmen und gegen Reime entschieden. Die Verslängen variieren dabei etwas stärker, aber bilden ein unter ästhetischen Gesichtspunkten noch akzeptables Druckbild.
Ihr Augenmerk liegt ganz klar auf dem Inhalt. Es geht um eine sommerliche Hungersnot und das Leid armer, kranker und unterernährter Menschen. Ihre Worte sind einfach und eindringlich und zeigen das wiederkehrende menschliche Elend in anrührender Schlichtheit und Einfachheit. Der Himmel dieses sterbenden Sommers wird zur Last, die Tage schreien um Hilfe und die Nächte nach Trost. In diesen klaren aber tiefgründigen Metaphern schildern Sie das physische und psychische Leid der Hungernden, aber auch derjenigen, die diesen Menschen nicht ausreichend zur Seite stehen und für Hilfe sorgen können.
Die Schwäche um aus Pfützen trinken zu können und die Armut sich kein Wasser leisten zu können, bringt die Tragödie auf den Punkt. Ihr Gedicht gibt Gedankenanstöße den eigenen Wohlstand zu schätzen aber auch sein Handeln sowohl auf politischer als auch humaner Ebene zu überdenken. Es schwingt keine moralische Keule, sondern schildert das Elend unverblümt so wie es ist.
Damit verfehlen Ihre Zeilen keineswegs ihre Wirkung.
Klanglich sind Ihre Verse ausgewogen und fein aufeinander abgestimmt. Den Gedichteinstieg gestalten Sie mittels Alliterationen, die bereits im Gedichttitel Anwendung finden.
Insgesamt gibt es inhaltlich und sprachlich nichts zu beanstanden. Ihr Gedicht ist rundum gelungen. Es mag aber konkurrierende Werke geben, denen noch mehr künstlerische und sprachliche Raffinesse, Originalität und Innovation innewohnt.
Auf eine Veröffentlichung in der Anthologie zum Lyrischen Lorbeer 2017 dürfen Sie sich freuen. Über den Wettbewerbsausgang werden Sie in Kürze informiert.
 
Mit besten Wünschen für Ihr weiteres literarisches Schaffen
 
grüßt Sie Ihr Lorbeer Verlag